Ein Lehrer, ein paar Schüler, eine Begegnung in Berlin und ein Versprechen. Viktor Jerofejew, einer der bekanntesten Schriftsteller Russlands, hat es gehalten. Er kam nach Dorsten und las vor ausverkauftem Haus in der Thalia-Buchhandlung.
Wie alles begann
Die Geschichte beginnt auf einer Klassenfahrt. In Berlin trafen der Dorstener Lehrer Hermann Kuhl und einige seiner Schüler auf Jerofejew. Am Ende des Gesprächs sagte der Autor zu, nach Dorsten zu kommen. Viele hätten das für eine freundliche Floskel gehalten. Jerofejew meinte es ernst. Hermann Kuhl holte Ralph Gorski vom Bündnis „Wir in Dorsten gegen Rechts“ dazu. Gemeinsam gewannen sie die Thalia-Buchhandlung als Gastgeberin.
Ein Empfang mit Haltung
Der Abend begann leise. Der 13-jährige Johann Woll aus Mönchengladbach spielte Harfe. Dann begrüßte Bürgermeister Tobias Stockhoff den Gast persönlich.

Dazu kam ein Brief, unterschrieben von allen Ratsparteien außer der AfD. Darin würdigen sie Jerofejew als einen Schriftsteller, der für die Würde des Menschen eintritt, für die Freiheit des Denkens und des Wortes. Einen, der den Mut hat, sich einer unberechenbaren Macht entgegenzustellen. Wer unter dem Brief fehlt, spricht für sich.
Ein Buch gegen das Wegsehen
Im Mittelpunkt stand Jerofejews jüngstes Buch „Die neue Barbarei“. Es rechnet mit dem russischen Präsidenten ab. Doch es ist mehr als eine politische Anklage. Jerofejew fragt: Wie schieben Menschen ihre Verantwortung beiseite? Und warum könnte ausgerechnet die Kultur die letzte Verteidigungslinie gegen die Herrschaft der Macht sein?
Im Gespräch mit Hermann Kuhl wurde klar: Diese Fragen betreffen nicht nur Russland. Sie gehen uns alle an.
Ausverkauft bis zum letzten Buch
Jeder Platz war besetzt. Auch die eigens bestellten Bücher waren am Ende vergriffen. Hermann Kuhl und Lena Helen Bruns von Thalia stand das Lächeln ins Gesicht geschrieben.
Ein Gedanke trug über den Abend hinaus: Europa hat eine einzigartige Welt der Fantasie und genialer Werke hervorgebracht. „Eine Welt, die sich vorwärtsbewegt und die es zu verteidigen gilt“, Viktor Jerofejew
Warum uns dieser Abend wichtig ist
Autokraten und Rechtsextreme fürchten das freie Wort. Darum brauchen wir Abende wie diesen. Abende, an denen Menschen zuhören, nachdenken und miteinander sprechen. Dorsten hat gezeigt, wie groß der Wunsch danach ist.
Unser Dank gilt Hermann Kuhl, dem Team von Thalia, Johann Woll, Bürgermeister Tobias Stockhoff und allen Ratsparteien, die mit ihrem Brief Haltung gezeigt haben.
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