Jetzt habe ich Angst

Husam Al Haarezi anlässlich unserer Kundgebung am 26.01.2024

Ich bin Mitglied im Integrationsforum in Dorsten,
arbeite ehrenamtlich als Dolmetscher für die Caritas,
unterstütze das Bündnis „Wir in Dorsten gegen rechts“.

2016 bin ich aus dem Irak nach Deutschland gekommen.
Damals gab es im Irak viele Probleme. Die politische Situation dort ist bis heute schrecklich.
Ich war im Irak als Polizist tätig. Meine Arbeit bestand darin, Korruption zu bekämpfen.
Aber in einem Staat wie dem Irak ist das eigentlich unmöglich.
Es kam zu Bedrohungen gegen mich und meine Familie.
Wir mussten dort weg!

Ich bin dann mit meiner Familie in Deutschland gelandet, bin in einem freundlichen Land, einem guten Klima angekommen.
Wir beherrschten die Sprache nicht und fingen bei Null an.
Wir wurden damals unterstützt und für mich ergab sich die Möglichkeit, auf dem aufzubauen, was ich gelernt hatte. Natürlich nicht bei der Polizei. Aber mit meinem Master in Englisch konnte ich Fuß fassen und kann heute als Lehrer hier arbeiten. Deutschland ist jetzt meine Heimat!
Meine Söhne, die bei unserer Flucht 6 und 8 Jahre alt waren, gehen heute in Dorsten zur Schule. Ihre Zukunft liegt in Deutschland!
Als in einem Gespräch mein jüngerer Sohn gefragt wurde, ob er auch einmal Deutscher werden wolle, verstand er die Frage nicht. Er fühlte sich doch schon als Deutscher.
Ich habe seit zwei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft.
Ich fühle mich heute als Deutscher und Dorstener!
Ich fühlte mich sicher und war fest überzeugt davon, eine hoffnungsvolle Zukunft hier zu haben.
In Sicherheit, als Mitglied der Gesellschaft, als Steuerzahler.

Aber jetzt ich habe Angst, dass es in der Zukunft völlig anders kommen kann.
Wenn die AfD entscheiden könnte, ist es dann so, dass diejenigen, die nicht hier geboren sind, wieder zurück in ihr Herkunftsland sollen?? Was bedeutet das dann für mich und meine Familie?
Das macht mir ungeheure Angst vor der Zukunft.
Und deshalb war ich bei der Kundgebung am Freitag, den 26.01.2024 auf dem Dorstener Marktplatz dabei, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren
So wie alle, die am genannten Freitag auf unserem Marktplatz in Dorsten waren!

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