Demonstration in Marl

Ein Beitrag mit Fotos von Ralph Gorski

Das Bündnis Dorsten gegen Rechts nahm am 24. Februar 2024 aktiv an der Demonstration gegen den Landesparteitag der AfD in Marl Sinsen teil. Rund 2000 Teilnehmer, darunter zahlreiche Gruppen, Verbände und Parteien aus Marl, Dorsten, Recklinghausen und den umliegenden Gemeinden, setzten ein starkes Zeichen gegen rechtspopulistische Tendenzen und positionierten sich gegenüber der politischen Agenda der AfD.

Besonders erwähnenswert ist die engagierte Teilnahme des Bündnisses Dorsten gegen Rechts, das eigens mit einem gemieteten Reisebus angereist ist, um Solidarität und gemeinsamen Widerstand zu demonstrieren. Die breite Unterstützung aus verschiedenen Städten und Regionen verdeutlicht, dass demokratische Kräfte zusammenstehen, um extremistischen Ideologien entschieden entgegenzutreten.

Die Teilnahme an der Demonstration unterstreicht das klare Bekenntnis des Bündnisses Dorsten gegen Rechts zu demokratischen Werten, Vielfalt und Toleranz. Gemeinsam setzen wir uns für eine offene und inklusive Gesellschaft ein und lehnen jegliche Form von Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit entschieden ab.

Wir danken allen Teilnehmer*innen für ihre Unterstützung und bekräftigen unseren festen Willen, uns weiterhin für eine demokratische, solidarische und weltoffene Gesellschaft einzusetzen.

“Über heute hinaus”

Redebeitrag von Andreas Hatting anlässlich der Kundgebung “Aufstehen für Demokratie” am 26.01.2024

Immer wieder lässt die AfD Versuchsballons steigen, um die Grenzen des Sagbaren auszutesten.
Die Potsdamer Gespräche über die Remigration? – Sind doch nur Gespräche…
Die Parteispitze relativiert, rückt zurecht, distanziert sich hier und da.
So wollen sie die stramm Rechten im Land bei Laune halten und die bürgerliche Mitte beruhigen.

Wir aber sind mehr als beunruhigt:
Die AfD verachtet bereits jetzt den Verfassungsschutz.
Frau Weidel bezeichnete ihn als „komplett durchgedrehte Behörde“.
Herr Höcke hat Zukunftspläne geäußert. Er will in Thüringen im Falle eines Wahlsieges den Verfassungsschutz umkrempeln.
Er will die Medienlandschaft verändern. Den Klimaschutz beenden.
Was passiert, wenn die AfD in den Parlamenten Gesetze beeinflussen kann oder gar Regierungen stellt?
Das kommt politischen Horrorvisionen gleich.

Daher ist jetzt die Zeit, einzutreten für unsere Demokratie und Verfassung.
Das machen wir heute!
„Die Straße kann die AfD dahin schieben, wo sie hingehört: an den äußersten Rand unseres Gemeinwesens“. Das schrieb ein Kommentator der Dorstener Zeitung.

Aber darüber hinaus:
Typisches AfD- Sprech, rassistische Entgleisungen, plumpe Politikerbeleidigungen, aber auch Verschwörungsmythen über die da oben dürfen im Alltag nicht unwidersprochen bleiben.
In keiner WhatsApp-Gruppe, in keinem Gespäch, an keinem Stammtisch, auch nicht im Verein oder am Arbeitsplatz!

Klärt die auf, die meinen, mit ihrer Stimme für die AfD den „etablierten“ Parteien einen Denkzettel zu verpassen!
Wenn sie erstmal den Fuß so richtig in der Tür haben, gibt es kaum ein Zurück!
Schaut euch die USA an mit Herrn Trump, dem Wiedergänger!
Schaut nach Polen, wo Herr Tusk sich mit den Folgen von acht PIS- Jahren abmüht!
Schaut nach Ungarn, wo Herr Orban ganz offen von einer illiberalen Demokratie spricht!

“Wir werden euch beschützen”

Redebeitrag von Landrat Bodo Klimpel anlässlich der Kundgebung vom 26.01.2024 “Aufstehen für unsere Demokratie”

Textauszug – es gilt das gesprochene Wort

Fotos Moritz Brilo

In diesen Tagen hier oben stehen zu dürfen, bewegt mich zutiefst.

Ich blicke auf großen Menschenmassen, die auf die Straße gehen, die aufstehen, die Ihre Stimme erheben und die deutlich machen: Für die rechtsradikalen und menschenverachtenden Pläne der AfD und weiteren Rechtsextremen gibt es null Akzeptanz in unserer Gesellschaft!

Ich bin in diesen Tagen unfassbar stolz, Bürger und Landrat des Kreises Recklinghausen zu sein.

In all unseren zehn Städten haben tausende Menschen, Vereine, Verbände, Gewerkschaften und Parteien deutlich Stellung bezogen haben. Sie alle haben deutlich gemacht: Wir sind mehr!

Lasst uns laut für unsere Freunde aus Haltern am See, Datteln, Waltrop und Marl klatschen, die an diesem Wochenende ebenfalls protestieren. Sendet einen großen Applaus an unsere Freunde aus Gladbeck, Recklinghausen, Oer-Erkenschwick, Castrop-Rauxel und Herten, die in den vergangenen Tagen bereits demonstriert haben.

Aus der großen schweigenden Masse ist endlich eine laute geworden. Und die Botschaft ist unmissverständlich: Nazis raus aus Dorsten, Nazis raus aus dem Kreis Recklinghausen.

Die aufgedeckten Pläne zu einem Geheimtreffen von Rechtsextremen, bei dem über die Abschiebung von Millionen Menschen aus unserem Land fantasiert wurde, erinnern an die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte.

Wieder greifen Nationalsozialisten in unserem Land nach der Macht. Wieder sollen Menschen, die nicht dem Bild einer völkischen Ideologie entsprechen, aus unserer Gesellschaft „entfernt“ werden. Menschen, die in der Mitte unserer Gesellschaft stehen.

Es betrifft unsere Freunde, Familienmitglieder, Teammitglieder aus Sportvereinen, Arbeitskollegen und, und und. Auch in meinem engsten Umfeld arbeiten Menschen mit Migrationshintergrund.

Es ist fast ein überaus beschämendes Gefühl, wenn ich diese Menschen in diesen Tagen fragen muss, ob es ihnen gut geht, ob sie besorgt sind oder sich in ihrer eigenen Heimat bedroht fühlen.

Gleichwohl sie in diesem Land geboren sind und sich bislang immer als Deutsche gefühlt haben.

Diesen Menschen sind wir es schuldig, dass wir deutlich machen: Ein Angriff gegen Euch ist auch ein Angriff gegen jeden von uns.

Wir geben Euch ein Versprechen: Wir werden Euch beschützen!

Wir werden die Menschen beschützen,

die in der Pflege unsere Kranken versorgen,

die sich als Erzieher in unseren Kitas um unsere Kinder kümmern,

die als Polizisten oder Feuerwehrleute für unsere Sicherheit einstehen,

die als Lehrer unsere Schülerinnen und Schüler ausbilden,

die in unseren Verwaltungen wichtige Position besetzen,

die uns in Kunst, Kultur und Sport begeistern und bereichern.

Wir werden Euch beschützen!

Euch allen danke ich, dass Ihr heute zusammengekommen seid und deutlich macht: Wir alle stehen für eine Gesellschaft, in der Toleranz, Vielfalt, Solidarität und Zusammenhalt.

Dieser Protest darf nicht enden, sondern muss erst der Anfang sein. Geschichte darf sich nicht wiederholen – nie wieder!

  1. Ich war bei der Kundgebung selbstverständlich dabei. Und ich war beeindruckend, von dem Zuspruch , und von den Redebeiträgen. KEINEN…

  2. Ein AFD Verbot ist grundlegend falsch. Die heutige Demo war die richtige Antwort darauf. Durch ein Verbot wird rechtes Gedankengut…

“Denkt daran, wir sind mehr!”

Redebeitrag von Johanna Feller und Luisa Feller am 26.01.2024 anlässlich der Kundgebung “Aufstehen für unserer Demokratie”

Fotos: Moritz Brilo

Danke, dass ihr alle gekommen seid, um ein Zeichen für die Demokratie zu setzen.

Es macht uns Hoffnung, dass so viele von euch da sind. Auch die Bilder von den anderen Demos überall in Deutschland machen Hoffnung und zeigen, dass wir nicht allein sind.

Denn eine Antwort gegen Rechts fängt genau hier an.

Aber auch abseits der Demonstrationen, müssen wir laut bleiben. Bleibt mit euren Familien, Freund*innen, der Nachbarschaft und auf der Arbeit im Gespräch.

Positioniert euch und widersprecht bei Aussagen, die falsch oder diskriminierend sind.

Sprecht mit den Leuten in eurem Umfeld darüber, dass ihr wählen geht und animiert sie, auch Ihre Stimme für demokratische Parteien abzugeben.

Unsere Demokratie ist nicht selbstverständlich. Wir müssen jetzt zeigen, dass wir für sie einstehen.

Wer sich in den kommenden Wahlen an der Wahlurne nicht positioniert, kann später nicht mehr sagen, man habe es nicht gewusst.

Engagiert euch in Parteien, Vereinen oder anderen Initiativen. Viele von uns sind bereits aktiv, aber wir müssen mehr werden. Schaut, wo ihr Gleichgesinnte findet und werdet kreativ.

Informiert euch über aktuelle Geschehnisse und tauscht euch aus.

Steht für betroffene Personen ein und nehmt ihre Sorgen ernst. Auch wenn ihr euch nicht betroffen fühlt, schließt euch zusammen für eine Gesellschaft des Miteinanders.

Lasst uns solidarisch sein!

Lasst uns gemeinsam für die Demokratie einstehen. Heute, jeden Tag und überall.

Lasst uns den Satz “nie wieder ist jetzt” ernst nehmen.

Denkt daran: Wir sind mehr!

“Ein Zeichen für Menschenwürde, Demokratie und Respekt”

Stichworte der Rede von Bürgermeister Tobias Stockhoff.
Es gilt das gesprochene Wort.

Fotos: Moritz Brilo

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Freundinnen und Freunde der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der Weltoffenheit,

In der Dorstener Erklärung zum Stadtdialog heißt es:
„Wir zeigen Mut und Zivilcourage,
wenn unsere Grundwerte angegriffen werden.“

Was in Potsdam von Extremisten beraten wurde,
die Deportation von Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte:
Das war ein unerträglicher Angriff auf diese Grundwerte.

Ich bin überwältigt!
dass unsere Stadt,
dass Sie, dass wir,
hier heute gemeinsam so ein
starkes, mutiges und couragiertes Zeichen setzen.

Ein Zeichen für unsere Grundwerte.
Ein Zeichen für Menschenwürde, Demokratie und Respekt.
Ein Zeichen der Abgrenzung von Verfassungsfeinden.
Eine Partei – eine selbsternannte Alternative – in unserem Land und auch in unserer Stadt nicht, sich klar von diesem Angriff auf unsere Grundwerte zu distanzieren.

Als Bürgermeister möchte ich heute zugleich Danke sagen.
Danke an alle, die diese Kundgebung möglich gemacht haben.
Danke, dass Sind und Ihr alle heute hier seid.
Danke an alle, die sich ehrenamtlich und so vielfältig engagieren
in Parteien, in Stadtteilkonferenzen, in Vereinen.

Gerne reden wir von einer „wehrhaften Demokratie“!
Wichtige Wehrtürme unserer Demokratie sind unser Grundgesetz, der Verfassungsschutz, der staatliche Bildungsauftrag.

Noch wichtigere Wehrtürme sind die lebende Wehrtürme!

Wir als Bürgerinnen und Bürger, die wir heute hier mit über 5000 Menschen auf unserem Marktplatz stehen.
Wir, die wir aktiv sind!
Nicht nur heute Abend hier und jetzt!
Viele von uns, sind bereits aktiv in der demokratischen Bürgergesellschaft.

Jetzt kommt es aber darauf an, dass wir unsere Wehrtürme gegen Hass und Hetze ertüchtigen.

Jetzt kommt es darauf an, dass wir alle gemeinsam aktiv werden für die Grundwerte, für die unser Grundgesetz steht und für die einst 1832 beim Hambacher Fest unter den Farben Schwarz-Rot-Gold für die Demokratie gestritten wurde.

Dieses Engagement ist bei uns in Dorsten besonders stark.
Die Zusammenarbeit schafft Identität und Gemeinschaft.
Dieses Engagement ist gelebte Demokratie.

Unser Bekenntnis darf mit dieser Demonstration nicht enden!

Ich rufe Sie und Euch auf:
Lasst uns durch unser bürgerschaftliches,
durch unser demokratisches Engagement
in Parteien, Vereinen und Gruppen,
am Arbeitsplatz und in der Schule
unsere Demokratie stärken.

Lasst uns engagierte und gestaltende Wehrtürme für unsere Demokratie sein!

Die Ratsfraktionen und Parteien haben sich darauf verständigt, nun ein jeweils einminütiges Statement an Sie zu richten. In den Farben getrennt, aber für unsere Demokratie vereint! Danke für dieses deutliche Zeichen!

Jetzt habe ich Angst

Husam Al Haarezi anlässlich unserer Kundgebung am 26.01.2024

Ich bin Mitglied im Integrationsforum in Dorsten,
arbeite ehrenamtlich als Dolmetscher für die Caritas,
unterstütze das Bündnis „Wir in Dorsten gegen rechts“.

2016 bin ich aus dem Irak nach Deutschland gekommen.
Damals gab es im Irak viele Probleme. Die politische Situation dort ist bis heute schrecklich.
Ich war im Irak als Polizist tätig. Meine Arbeit bestand darin, Korruption zu bekämpfen.
Aber in einem Staat wie dem Irak ist das eigentlich unmöglich.
Es kam zu Bedrohungen gegen mich und meine Familie.
Wir mussten dort weg!

Ich bin dann mit meiner Familie in Deutschland gelandet, bin in einem freundlichen Land, einem guten Klima angekommen.
Wir beherrschten die Sprache nicht und fingen bei Null an.
Wir wurden damals unterstützt und für mich ergab sich die Möglichkeit, auf dem aufzubauen, was ich gelernt hatte. Natürlich nicht bei der Polizei. Aber mit meinem Master in Englisch konnte ich Fuß fassen und kann heute als Lehrer hier arbeiten. Deutschland ist jetzt meine Heimat!
Meine Söhne, die bei unserer Flucht 6 und 8 Jahre alt waren, gehen heute in Dorsten zur Schule. Ihre Zukunft liegt in Deutschland!
Als in einem Gespräch mein jüngerer Sohn gefragt wurde, ob er auch einmal Deutscher werden wolle, verstand er die Frage nicht. Er fühlte sich doch schon als Deutscher.
Ich habe seit zwei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft.
Ich fühle mich heute als Deutscher und Dorstener!
Ich fühlte mich sicher und war fest überzeugt davon, eine hoffnungsvolle Zukunft hier zu haben.
In Sicherheit, als Mitglied der Gesellschaft, als Steuerzahler.

Aber jetzt ich habe Angst, dass es in der Zukunft völlig anders kommen kann.
Wenn die AfD entscheiden könnte, ist es dann so, dass diejenigen, die nicht hier geboren sind, wieder zurück in ihr Herkunftsland sollen?? Was bedeutet das dann für mich und meine Familie?
Das macht mir ungeheure Angst vor der Zukunft.
Und deshalb war ich bei der Kundgebung am Freitag, den 26.01.2024 auf dem Dorstener Marktplatz dabei, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren
So wie alle, die am genannten Freitag auf unserem Marktplatz in Dorsten waren!

Die wache Zivilgesellschaft ist da

Hermann Kuhl anlässlich unserer Kundgebung am 26.01.2024

“Aufstehen für unsere Demokratie”

“Ich, Hermann Kuhl, spreche hier und heute für das Bündnis “Wir in Dorsten gegen Rechts”.
So viele, so eine große Zahl, diese riesige Anzahl an Teilnehmer*innen dieser Kundgebung, das ist bemerkenswert:

Die wache Zivilgesellschaft ist da! Das ist befreiend.

Im Sommer des letzten Jahres stand ich während einer Fahrradreise durch Deutschland auf dem ältesten jüdischen Friedhof Europas – in Worms. Der Ort heißt „Heiliger Sand“. Ich stand dort und meine Augen schweiften über die schiefen Grabsteine bis zum Dom der Stadt. Stille, Trauer, Erinnerung und Frustration machten sich in mir breit.

Ich habe da gestanden, der Blick über die gemarterten Gräber, das Gefühl der existentiellen Ohnmacht, so gottverlassen, ratlos.

… und dann dies:

Bei einem konspirativen Treffen haben einflussreiche AfD-Politiker mit Rechtsextremen einen rassistischen Plan besprochen: Millionen Menschen mit Migrationshintergrund sollen aus Deutschland abgeschoben werden.

Und es wird hier noch klarer: Der sozialpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion René Springer:
„Wir werden Ausländer in ihre Heimat zurückführen. Millionenfach. Das ist kein Geheimplan. Das ist ein Versprechen.“


Wieder einmal schleicht der Teufel durch die Straßen dieses Landes.

Die alten Wunden bluten wieder. Seit der ersten Stunde verbreiten sie den Gifthauch der Intoleranz und dies kalte Fieber der Angst.

Sie nennen es Remigration, doch was sie meinen ist kein Abenteuerprogramm im „Wilden Kurdistan“. Das, was sie uns bringen, ist:  Deportation, Verschleppung, Pogrom und vor dem Hintergrund unserer Geschichte wissen wir, was hier droht und nie wieder geschehen darf:

Riesige Eskalationsgebirge, tiefseeschwarze Lichtlosigkeit, die barbarische Fratze der Tyrannei.

Diese Fratze jedoch konnte demaskiert werden und die aberwitzigen Wahnvorstellungen der AFD haben „das Fass zum Überlaufen“ gebracht! Deshalb sind wir hier –

Die Nazis haben sich entzaubert, nun löst sich die Nacht auf.

Wir sind nicht allein, hunderttausende sind dieser Tage im ganzen Land auf die Straßen gegangen, denn viele Menschen spüren durch das Bekanntwerden des Potsdamer Geheimtreffens, dass da tatsächlich eine Umordnung der demokratischen Lebensverhältnisse droht. „Und das, was da droht, unsere Nachbarschaft betrifft, unsere Kollegen und Kolleginnen, unsere Freunde und Freudinnen, unsere Familien – und das wollen wir nicht hinnehmen“.

Rassistische Hetze bzw. totalitäre Fantasien haben in Dorsten keinen Platz und wir machen deutlich, wir sind eine große Gruppe, alle haben die gleiche Überzeugung und wollen sich engagieren. Das ist ein Signal für Stärke.

Wir sind heute hier, weil wir nicht mehr den Mund halten wollen!

Wir sind ein demokratischer Fanblock.
Die ganze Stadt im Auftrag der Zuversicht, für das, was wirklich zählt:

Die ausgestreckte Hand der Freundschaft: Ein virtuoser Kraftraum der Verbundenheit aller aufrechten Menschen.

Das sind die, die hier auf dem Marktplatz stehen, um ein Zeichen gegen den aufkeimenden Nazismus zu setzen.

Das sind die, die eine Stadt zusammenhalten.

Die, die ehrenamtlich Gemeindefeste, Sportevents oder religiöse Aktivitäten organisieren,

die, die zur Erinnerungsarbeit einladen,

die, die bei Schützenfesten, Stadtfesten, Heimatfeiern oder dörflichem Beisammensein mitwirken,

die, die in Vereinen, Gruppen, Verbänden, Gewerkschaften, Kirchen oder Moscheen integrierend wirken,

die, die als Fremde zu uns kamen und heute unser Gemeinwesen mittragen,
die, die dem Bürgermeister beistehen, wenn er von bestimmten Leuten als Lügenvertreter und Hitlerjunge beschimpft wird.

Also: die zahllosen Menschen in unserer Stadt, die tagtäglich in ihrem privaten Umfeld gegen Egoismus, Ignoranz und Dummheit einstehen.

Menschen, wie all die, die sich hier versammelt haben!

Das macht Mut!

Vertrauen wir somit auf:

Unsere Fähigkeit Ängste zu überwinden.

Unsere Courage, denn nur die ermöglicht Integrität, Aufrichtigkeit, Kreativität und Vertrauen. Ohne Mut gäbe es keine eigene Meinung, keine unkonventionellen Entscheidungen, kein Ausbrechen aus der Routine, keinen Pioniergeist, kein Wachstum.

Und besinnen wir uns auf einen Satz von unserem Bürgermeister:

„Verstand und Solidarität sind unsere größten Waffen“

Das sind keine Trickvokabeln

Diese Worte, liebe Versammelte, sollten der Jetstream unserer aktuellen Situation sein, eine Höhenströmung, von der wir uns alle erfassen lassen sollten und für die es keine besseren Worte gibt.

„Verstand und Solidarität sind unsere größten Waffen“



Bündnis zeigt Marktpräsenz

Ein Beitrag von Gisela Hötten-Löns

Bei unserem Bündnistreffen am 25.09.2023 hatten wir beschlossen, wieder vermehrt Präsenz auf dem Dorstener Marktplatz zu zeigen, da uns die wachsende Zustimmung zu den Rechtsextremen, was die die Wahlergebnisse in Bayern und Hessen bestätigen, sehr besorgt. Wir sehen dringenden Handlungsbedarf, auch in Dorsten, Demokratie, Menschenrechte und unser gemeinsames Europa zu verteidigen und die Anstrengungen gegen den Klimawandel unbedingt zu unterstützen.

Am Samstag, 7. Okt. 2023 waren wir erstmals wieder auf dem Marktplatz in Dorsten vertreten und hatten das Thema: „Nur Populisten leugnen den Klimawandel noch“ gewählt.

Eine Gruppe von Bündnismitgliedern diskutierte dies mithilfe gesammelter Fakten und anhand von Plakaten mit den Passant*innen.

Dabei war Resonanz der Dorstener*innen erfreulich gut. Es wurden viele Gespräche geführt, natürlich mit unterschiedlichen Ansichten. Das Thema menschengemachter Klimawandel beschäftigt die Menschen und wir konnten anhand einiger Beispiele aufzeigen, wie die Rechtsextremen und Populisten auch mit diesem Thema versuchen, unsere Demokratie zu schwächen.

Uns hat sich wieder gezeigt, wie wichtig es ist, auf die Menschen zuzugehen, mit ihnen zu diskutieren und den Populisten und Rechtsextremen das Feld nicht zu überlassen.

Unser nächste Marktpräsenz ist für das Lichterfest am Sonntag, den 05.11.2023, geplant. 

Thema: “Demokratie – was sonst!?“

Die nächste Bündnissitzung ist am Montag, 23.10.2023, 18.00 – ca. 20.00 Uhr im Pfarrsaal Hl. Kreuz, Gräwingheide 14, 46282 Dorsten. Wir bitten aus organisatorischen Gründen um Anmeldung unter info@dorsten-gegen-rechts.de

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Ein Beitrag von Claudia Diller

Endlich war es soweit! Ich durfte an der feierlichen Siegelverleihung zur „SCHULE OHNE RASSISMUS – SCHULE MIT COURAGE“ an der Willy-Brandt Gesamtschule in Marl teilnehmen. Sie ist jetzt eine von über 1060 eines Netzwerkes von „Courage-Schulen“ in NRW, dem auch einige Schulen in Dorsten angehören.

Das es zur Siegelverleihung kam, ist dem Engagement einer Gruppe von Schüler*innen zu verdanken. Mit Feuereifer hatten sie sich daran gemacht die Idee und die Inhalte einer „Courage-Schule“ in der Schule zu verbreiten.

Es ging ihnen darum ein deutliches Zeichen gegen jede Art von Diskriminierung, Mobbing, Gewalt und Rassismus zu setzen und die Schulgemeinschaft zu stärken.

Um ihr Ziel „Courage-Schule“ zu erreichen war es notwendig, mindestens 70% der gesamten Schulgemeinschaft für diese Idee zu gewinnen. Mit zahlreichen Aktionen verbreiteten sie die Idee und sammelten schließlich 1011 Unterschriften. Jeder, der seine Unterschrift leistete, unterschrieb damit eine sogenannte „Selbstverpflichtung“:

Ich setze mich dafür ein, dass meine Schule nachhaltige Projekte, Aktionen und Veranstaltungen durchführt, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, dann wende ich mich dagegen, spreche dies an und unterstütze eine offene Auseinandersetzung, damit wir gemeinsam Wege finden, einander respektvoll zu begegnen.

Ich bin aktiv, damit meine Schule jedes Jahr Projekte gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, durchführt. (schule-ohne-rassismus.org/netzwerk/courage-schulen)

Die „Selbstverpflichtung“ macht deutlich, dass der Titel „SCHULE OHNE RASSISMUS – SCHULE MIT COURAGE“ kein Preis oder eine Belohnung für vergangene Projekte darstellt, sondern die Verpflichtung beinhaltet, in Zukunft gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und jegliche Formen von Diskriminierung aktiv vorzugehen.

So schrieben die Schüler*innen abschließend auf einem Plakat: „In unserer heutigen Zeit ist einfach kein Platz für so etwas, denn jeder Mensch ist auf seine eigene Art einzigartig und perfekt.“

Die Patin, Mona Ameziane, die für das Projekt gewonnen werden konnte, verkörpert in besonderer Weise dessen Inhalte.

Das Bündnis „WIR IN DORSTEN GEGEN RECHTS“ formuliert in seinen Grundsätzen ähnliche Vorstellungen. Zielt „SCHULE OHNE RASSISMUS – SCHULE MIT COURAGE“ zunächst auf die entsprechende Schulgemeinschaft mit der Hoffnung auf gesamtgesellschaftliche Auswirkungen, so formt der Einsatz „für Toleranz und Demokratie, gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus“ das Selbstverständnis von „WIR IN DORSTEN GEGEN RECHTS“. Das Handeln des Bündnisses ist sowohl „… auf ein demokratisches, solidarisches Miteinander in der Stadt Dorsten und darüber hinaus ausgerichtet…“.

Beide Initiativen „WIR IN DORSTEN GEGEN RECHTS“ und „SCHULE OHNE RASSISMUS – SCHULE MIT COURAGE“ verfolgen das Ziel die Aussagen des Grundgesetztes in lebendiges Handeln zu verwandeln.

“Zwischen Erfolg und Verfolgung”

Besuch der Ausstellung “Jüdische Stars im Sport 1933 und danach”

Ein Beitrag von Ruth und Wilfried Lange vom 10. Juni 2022

Eine Gruppe des Bündnisses „Wir in Dorsten gegen Rechts“ nahm das kostenlose Angebot der Stadtinfo Dorsten bzw. des Jüdischen Museums Westfalen in Dorsten gerne an und ließ sich von Barbara Seppi, Stadtinfo Dorsten, alles Wichtige zu dieser interessanten Ausstellung, auf einem einstündigen Rundgang sachkundig erklären.

Die Idee des Kurators, Dr. Henry Wahlig, Fußballmuseum Dortmund und Sportwissenschaftler, das Museum zu den Menschen vor Ort zu bringen, ist durch die lebensgroßen Figuren mit den Abbildungen und Lebenswege der Sportler*innen sehr gelungen.

Für die Bündnismitglieder war, wie Barbara Seppi sehr richtig einordnete, weniger der geschichtliche Zusammenhang der Verfolgung und teilweise Ermordung der verschiedenen für Deutschland so erfolgreichen Sportler*innen interessant, als vielmehr die Tatsache, dass ebendiese als Deutsche und für den deutschen Staat als Aushängeschilder benutzten (Halb-) Jüdinnen und Juden nach ihren Erfolgen völlig aus der Historie des Deutschen Sports und unseres Landes verschwanden. Sehr deutlich wird dies, z.B., durch die Geschichte Walther Bensemanns, der den nach Deutschland brachte. Er war Mitbegründer vieler Fußballvereine, des DFB und der bekannten Fußballzeitung „Der Kicker“ (1920). Sein Name fand seinen verdienten Platz in der Geschichte des Fußballs jedoch erst über seine 2003 als lesenswertes Buch erschienene Biographie.

Die sehenswerte Ausstellung ist noch bis einschließlich Montag, 13.06.2022 zwischen Recklinghäuser Tor und Jüdischem Museum aufgebaut und aufgrund der ausführlichen Beschreibungen auf den Rückseiten der lebensgroßen Fotos der Sportler*innen sehr informativ.


Hinweis auf eine Publikation der Bundesanstalt für Politische Bildung: Die Broschüre kann dort erworben oder als PDF heruntergeladen werden:

https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Gesamtdatei_150717_Bro_PK_JewishAllstars_bpb_WEB_RZ.pdf